Holzhochhaus CARL
Ort:
Pforzheim
Bauzeit:
10/2021 - 9/2024
Auftraggeber:
Arlinger Baugenossenschaft eG
Holzhochhaus CARL
Mit dem Holzhochhaus CARL in Pforzheim setzt ZÜBLIN neue Maßstäbe im nachhaltigen Bauen. Mit innovativen Lösungen entstand eine beeindruckende Landmarke am westlichen Stadteingang.
Im Juni 2021 erhielt die Direktion Karlsruhe den Auftrag der Arlinger Baugenossenschaft eG zur schlüsselfertigen Erstellung des Projekts „Holzhochhaus CARL“ in Pforzheim, inklusive Außenanlagen und Ausführungsplanung. Ziel war die Schaffung einer markanten Landmarke am westlichen Stadteingang, wobei insbesondere die Umsetzung der Holzfassade unter strengen Brandschutzanforderungen große Herausforderungen darstellte.
Ensemble CARL: Gebäudestruktur und Nutzung
Das Ensemble umfasst das Holz-Hybrid-Hochhaus CARL (Haus 1) sowie zwei konventionell errichtete Längsbauten (Haus 2 und 3).
- Haus 1: 14 Geschosse, im Erdgeschoss ein Eingangsbereich und eine Bäckerei mit Café, darüber 37 Wohnungen.
- Haus 2: 6 Geschosse, Kita im Erd- und 1. OG, darüber 24 Wohnungen.
- Haus 3: 4 Geschosse, Technik- und Kellerabstellräume im Erdgeschoss, darüber 12 Wohnungen.
Alle Gebäude sind KfW-55-EE-Standard, teilen sich ein Untergeschoss mit Tiefgarage (73 Stellplätze, alle mit E-Ladestation). Häuser 2 und 3 verfügen über Photovoltaikanlagen, deren Strom den Mietern über ein Mieterstrommodell zugutekommt. Die Obergeschosse von Haus 2 und 3 sind über Laubengänge erschlossen, barrierefrei durch außenliegende Aufzüge.
Enge Zusammenarbeit für zukunftsrelevante Lösungen
Im Rahmen der Planungsphase 5, der Ausführungsplanung, mussten aufgrund nicht eindeutiger Vorschriften für ein Holzhochhaus Sonderlösungen mit allen Projektbeteiligten und Behörden erarbeitet und abgestimmt werden. Dank der übergreifenden und lösungsorientierten Zusammenarbeit konnten alle planerischen Herausforderungen gemeistert werden.
Wie ein Turm empor gleitet
Der Kern des Holzhochauses wurde aus Ortbeton im Gleitbauverfahren vom Untergeschoss bis zur Dachdecke ausgeführt bis zu einer Gesamthöhe von ca. 48 Meter. Da dem Brandschutz bei einem Holz-Hybrid-Hochhaus eine besondere Rolle zukommt, musste der Kern in Beton ausgeführt werden. Zudem dient er der Erschließung der Geschosse und beinhaltet ein Sicherheitstreppenhaus sowie zwei Aufzugsanlagen, wobei eine der Anlagen als Feuerwehraufzug ausgeführt ist.
Zur Herstellung des Kerns mit allen Innenwänden dauerte insgesamt zwei Wochen. Anschließend wurden im Treppenhauskern die Decken und Treppen eingebaut, sodass mit Beginn der Arbeiten in den Wohngeschossen die Betonarbeiten so gut wie abgeschlossen waren.
Besondere Elemente für „CARL“
Beim „CARL“ sind die Decken der Wohngeschosse Holz-Hybrid-Decken. Das heißt, sie bestehen aus 10 Zentimeter Brettsperrholzplatten und 12 Zentimetern Aufbeton.
Die Außenwände wurden als vorgefertigte Holzrahmenelemente ausgeführt und Just-in-Time angeliefert, sodass der Platz für eine Zwischenlagerung auf ein Minimum reduziert werden konnte.
Aufgrund der hohen Lasten in den unteren Geschossen wurden in die Außenwandelemente Baubuche-Stützen integriert, da sie eine sehr hohe Tragfähigkeit besitzen. Daraus entstand die Herausforderung, dass die Wandelemente bei der Montage so exakt platziert werden mussten, dass alle in die Wandelemente integrierten Stützen exakt übereinanderstehen mussten.
Sehr prägend für das Außenbilde des „CARL“ ist seine Holzaußenfassade. Sie wurde nach der Montage der Wandelemente und Fenster als vorgehängte elementierte Holzfassade ausgeführt. Aus logistischen Gründen wurden die Fassadenelemente bereits während der Rohbauarbeiten in den Geschossen zwischengelagert, sodass ein nachträglicher Transport in die 14 Obergeschosse nicht mehr notwendig war.
Brandschutz als Sicherheitsgarant
Dem Brandschutz kam beim Holz-Hybrid-Hochhaus eine zentrale Rolle zu, denn es galt ein sicheres Konzept zu entwickeln, das allen Anforderungen entspricht und die Besonderheiten des Bauvorhabens wahrt. So wurde bspw. eine „Krempe“ aus sichtbaren Betonfertigteillösungen zwischen den Stockwerken erbaut.
Dadurch entspricht die Fassade den brandschutztechnischen Anforderungen an den geschossweisen Brandüberschlag und es wurde eine nachhaltige witterungsbeständige Lösung gefunden.
Das gesamte Holzhochhaus wurde mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet. Der Erschließungskern enthält eine Rauchdruckanlage und eine Löschwasser-Nassleitung mit zwei Entnahmestellen pro Geschoss.
Die Stärke des Konzerns
Die Holzbauarbeiten inklusive der Fassade wurden konzernintern durch ZÜBLIN Timber ausgeführt. Die enge Zusammenarbeit ermöglichte die Entwicklung projektspezifischer Lösungen sowie den Einsatz neuer Technologien und den Zugriff auf konzerneigenes Knowhow.
Durch die Komplexität und die Innovationskraft des Projektes, ein Hochhaus in Holzbauweise auszuführen, bestand großes Interesse seitens Öffentlichkeit und Fachwelt. Zahlreiche vom Bauherrn organisierte Informationsveranstaltungen und Besichtigungstermine von Hochschulen wurden vom Projektteam ebenfalls betreut.
Das Projekt strebt eine DGNB-Zertifizierung „Nachhaltige Baustelle“ der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen an.
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Kenndaten
- Grundstücksfläche (GF): 5.020 m²
- Brutto-Rauminhalt (BRI): 46.185 m³
- Brutto-Grundfläche (BGF): 13.393 m²
- Oberirdisch Haus 1 (Holzhochhaus): 14 Geschosse
- Oberirdisch Haus 2: 6 Geschosse
- Oberirdisch Haus 3: 4 Geschosse
- Unterirdisch: 1 Geschoss
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Bauzeit
- Rohbauarbeiten von 13.10.2021 bis 08.03.2023
- Ausbau von 02.2023 bis 09.2024
- Fertigstellung 09.2024
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Baustellenregelbetrieb
- Montag bis Freitag 07:00 Uhr bis 18:00 Uhr
- Samstag 07:00 Uhr bis 15:00 Uhr
- Sonntag und feiertags finden in der Regel keine Arbeiten statt.
Zertifiziert von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB)
Bei diesem Projekt verfolgt die Ed. Züblin AG mehrere Ziele: Eine nachhaltige Baustellenorganisation, die Schonung der Ressourcen sowie die Minimierung der Emissionen, die Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bauenden, die Pflege guter Nachbarschaft und natürlich eine qualitätsreiche Bauausführung. Dafür wurde die Ed. Züblin AG als erstes Unternehmen von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet.
Hier finden Sie weitere Informationen zum DGNB System für nachhaltige Baustellen: https://www.dgnb-system.de/de/gebaeude/baustelle/
Ausgewählte Maßnahmen am Projekt
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Maßnahmen zur Vermeidung von Belastungen durch die Baustelle
Das Projekt befindet sich in zentraler, innerstädtischer Lage, dahingehend wird versucht, die Belastungen durch die Baustelle so gut wie möglich zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Dabei stellen die Konzepte zu Lärm- und Staubvermeidung sowie der Schutz von Boden und Grundwasser auf der Baustelle wesentliche Handlungsfelder dar. Ebenso gibt es Konzepte zur Abfallvermeidung und ein umwelt- und anwohnerorientiertes Logistikkonzept.
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Ressourceneinsparung und Emissionsminderung durch LEAN Construction
Durch den konsequenten Prozessplanung- Einsatz wird das laufende Baugeschehen mit den Vorgaben der Planung abgeglichen und angepasst. Dies ermöglicht ein stabiles und strukturiertes Arbeiten. In weiterer Folge geht damit eine Qualitätssteigerung durch effiziente Prozesse einher. Verwendung wird verhindert.
Eine weitere Methode stellt die 5S-Methode für Ordnung und Sauberkeit auf der Baustelle dar. -
Einsatz von (Halb-)Fertigteile
Im Projekt werden (Halb-)Fertigteilen (Hohlwände, Filigrandecken und Treppen) eingesetzt. Hierdurch ergibt sich neben einer Verkürzung der Bauzeit auch eine Reduzierung des Abfallaufkommen durch die vorgefertigten Bauelemente.
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Bau mit lokalem Holz
Das Verwenden von lokal gewachsenem Holz spart nicht nur Tonnen an Beton sondern verbucht auch Einsparungen in Lieferwegen.
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Baubetriebliches Energiemanagement
Voruntersuchungen der einzelnen Bauabläufe hinsichtlich einer möglichst energieeinsparenden Entwicklung. Insbesondere die Optimierung von Ablaufdauern steht hierbei im Fokus.
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Baustellenlogistik
Mithilfe des Just-in-Time (JiT) – Konzeptes wird eine gezielte und termingerechte Koordinierung von Materiallieferungen zur Baustelle gewährleistet. Die Bauprodukte werden nur beim tatsächlichen Bedarf in richtiger Anzahl zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort transportiert. Dadurch lässt sich sowohl die Anzahl der Transporte reduzieren als auch die Lagerung von Materialen auf der Baustelle minimieren bzw. komplett vermeiden.
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Abfallmanagement
Für das Projekt wird ein effektives Abfallmanagement-Systems eingerichtet. Auf der Baustelle findet eine gezielte Müllsortierung bzw. -trennung statt. Hiermit wird sichergestellt, dass die entstehenden Bauabfälle ordnungsgemäß entsorgt und/oder recycelt werden.
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Schulungen zur Nachhaltigkeit
Förderung von Bildung und Training für alle Projektbeteiligten, um das Nachhaltigkeitsbewusstsein zu stärken.
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Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden
Förderung einer gesunden Arbeitsumgebung und eines angenehmen Raumklimas durch geeignete Maßnahmen wie regelmäßige Reinigung und Lüftung.
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Einhaltung der Gesetzgebung zum Umweltschutz
Überwachung und Einhaltung der geltenden Gesetze und Vorschriften zum Umweltschutz.
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Regionale Baupartner
Für die Leistungserfüllung werden regionale Betriebe eingebunden. Hierdurch wird eine partnerschaftliche Zusammenarbeit gewährleistet und Synergieeffekte aus bereits bestehenden Projekterkenntnisse können genutzt werden.
| Ansprechperson Zertifizierung | Alexander Houy |
| Projektansprechpartner | Michael Jäger |
| Baustellenadresse | Carl-Hölzle-Straße 3 - 7a 75179 Pforzheim Tel. +49 721 6204-290 ZÜBLIN-Direktion Karlsruhe Assistenz der Bereichsleitung SFB |
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