Holz-Hybrid-Hochhaus CARL in Pforzheim
Holz-Hybrid-Hochhaus CARL in Pforzheim © R2N-Studios

Holz-Hybrid-Hochhaus, Pforzheim

Ort: 
Pforzheim

Bauzeit: 
2021 - 2024

Auftraggeber: 
Arlinger Baugenossenschaft eG, Pforzheim

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Holzhochhaus CARL in Pforzheim – Innovatives Leuchtturmprojekt

Das Holzhochhaus CARL in Pforzheim ist ein Leuchtturmprojekt in Holz-Hybrid-Bauweise, das durch seine anspruchsvolle Planung, nachhaltige Bauweise und enge Zusammenarbeit aller Beteiligten innovative Maßstäbe im urbanen Wohnungsbau setzt. Besondere technische Merkmale wie der Gleitbau-Betonkern, vorgefertigte Holzrahmenelemente und ein umfassendes Brandschutzkonzept unterstreichen die Vorreiterrolle des Projekts mit 73 Wohnungen, Gewerbeeinheit und Kindertagesstätte.

Im Auftrag der Arlinger Baugenossenschaft eG entstand in Pforzheim das Holz-Hybrid-Hochhaus CARL. Gemeinsam mit zwei weiteren Wohngebäuden bildet es ein Ensemble am westlichen Stadteingang. ZÜBLIN übernahm neben der schlüsselfertigen Erstellung einschließlich der Außenanlagen auch wesentliche Planungsleistungen.

Bereits in der Angebotsphase zeigten sich die Herausforderungen des Projekts. Gemeinsam mit dem Bauherrn und dem Architekturbüro Peter W. Schmidt wurden frühzeitig projektspezifische Lösungen entwickelt, insbesondere unter Berücksichtigung der Brandschutzanforderungen für das Holzhochhauses mit Holzfassade.

Innenhof des Ensemble CARL © Christoph von Zepelin // Fotografie

Ensemble CARL: Drei Gebäude, ein Wohnerlebnis

Das Ensemble besteht aus dem 14-geschossigen Holz-Hybrid-Hochhaus CARL, Haus 1, sowie den beiden Längsbauten Haus 2 und Haus 3 in konventioneller Bauweise.

Haus 1 umfasst 14 Obergeschosse. Im Erdgeschoss befinden sich ein großzügiger Eingangsbereich und eine Gewerbeeinheit, in der eine Bäckerei mit Café eröffnet wurde. In den darüberliegenden 13 Geschossen entstanden 37 Wohnungen.

Haus 2 verfügt über sechs Obergeschosse Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss ist eine Kindertagesstätte untergebracht, in den vier darüberliegenden Geschossen befinden sich 24 Wohnungen. Haus 3 wurde mit vier Obergeschossen ausgeführt. Im Erdgeschoss befinden sich Technik- und Kellerabstellräume, darüber entstanden 12 Wohnungen.

Bei diesen beiden Gebäuden erfolgt die Erschließung der Obergeschosse jeweils über Laubengänge. Für den barrierefreien Zugang zu den Wohnungen wurden jeweils außenliegende Aufzüge errichtet.

Alle drei Gebäude stehen auf einem gemeinsamen Untergeschoss mit einer Tiefgarage und 73 Stellplätzen. Alle Tiefgaragenstellplätze wurden mit E-Ladestationen ausgestattet. Auf den Gebäuden 2 und 3 wurden zudem Photovoltaikanlagen installiert, deren Strom den Mieter:innen über ein Mieterstrommodell direkt zugutekommt

Besonderheiten für "CARL"

Im Rahmen der Ausführungsplanung mussten aufgrund nicht eindeutiger Vorschriften für ein Holzhochhaus Sonderlösungen mit allen Projektbeteiligten und Behörden erarbeitet und abgestimmt werden. Dank der übergreifenden und lösungsorientierten Zusammenarbeit konnten alle planerischen Herausforderungen gemeistert werden.

Das Gleitbauverfahren prägte die Bauzeit © Christoph von Zepelin // Fotografie

48 Meter im Gleitbauverfahren

Der Kern des Holzhochhauses wurde vom Untergeschoss bis zur Dachdecke in Ortbeton im Gleitbauverfahren ausgeführt und erreicht eine Gesamthöhe von rund 48 Metern. Aufgrund der besonderen Brandschutzanforderungen wurde der Kern in Beton ausgeführt. Gleichzeitig übernimmt er eine zentrale Funktion bei der Erschließung des Gebäudes: Er beinhaltet ein Sicherheitstreppenhaus und zwei Aufzugsanlagen, darunter einen Feuerwehraufzug.

Die Herstellung des Kerns mit allen Innenwänden dauerte insgesamt nur zwei Wochen. Anschließend wurden im Treppenhauskern die Decken und Treppen eingebaut, sodass mit Beginn der Arbeiten in den Wohngeschossen die Betonarbeiten größtenteils wie abgeschlossen waren.

Holz-Hybrid-Bauweise mit hoher Präzision

Eine Besonderheit des CARL sind die Holz-Hybrid-Decken der Wohngeschosse. Sie bestehen aus zehn Zentimeter starken Brettsperrholzplatten und zwölf Zentimetern Aufbeton.

Sehr prägend für das Außenbild des „CARL“ ist die Holzaußenfassade. Sie wurde nach der Montage der Wandelemente und Fenster als vorgehängte, elementierte Holzfassade ausgeführt und Just-in-Time auf die Baustelle geliefert. Dadurch konnte die benötigte Fläche für die Zwischenlagerung auf ein Minimum reduziert werden.

In den unteren Geschossen nehmen integrierte Baubuche-Stützen die hohen Lasten auf. Bei der Montage mussten die vorgefertigten Wandelemente deshalb besonders präzise positioniert werden, damit die Stützen geschossübergreifend exakt übereinanderstehen.

Fassade des CARL © Christoph von Zepelin // Fotografie
Fassade des CARL

Brandschutz für ein Holz-Hybrid-Hochhaus

Dem Brandschutz kam beim Holz-Hybrid-Hochhaus eine zentrale Rolle zu. Es galt ein sicheres Konzept zu entwickeln, das allen Anforderungen entspricht und die Besonderheiten des Bauvorhabens berücksichtigt. So wurde bspw. eine „Krempe“ aus sichtbaren Betonfertigteillösungen zwischen den Stockwerken erbaut. Dadurch erfüllt die Fassade die brandschutztechnischen Anforderungen zur Vermeidung von geschossweisem Brandüberschlag und bietet zugleich eine witterungsbeständige Lösung. Das gesamte Holzhochhaus wurde mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet. Der Erschließungskern enthält eine Rauchdruckanlage und eine Löschwasser-Nassleitung mit zwei Entnahmestellen pro Geschoss.

Die Stärke des Konzerns

Die Holzbauarbeiten inklusive Fassade wurden konzernintern durch ZÜBLIN Timber ausgeführt. Die enge Zusammenarbeit ermöglichte die Entwicklung projektspezifischer Lösungen sowie den Einsatz neuer Technologien und den Zugriff auf konzerninternes Know-how.

Durch die Komplexität und die Innovationskraft des Projektes, ein Hochhaus in Holzbauweise auszuführen, bestand großes Interesse seitens der Öffentlichkeit und der Fachwelt. Zahlreiche vom Bauherrn organisierte Informationsveranstaltungen und Besichtigungstermine von Hochschulen wurden vom Projektteam durchgeführt.